Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus mit 5 Stockwerken und 13 Wohnungen. Nun haben wir bemerkt, dass die Zwischengeschosse der Steigleitungen nicht abgeschottet sind. Ist dies aus Sicht des Brandschutzes ein Problem?

Dies muss nicht zwingend ein Problem sein. Gemäss Brandschutzrichtlinie 15-15 «Brandschutzabstände Tragwerke Brandabschnitte», Ziffer 3.6.3, kann auf die geschossweise Abschottung in einem feuerwiderstandsfähigen Installationsschacht verzichtet werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

Wie finde ich heraus, in welche Brandverhaltensgruppe (RF1 bis RF4) unser Zelt gehört? Ich finde nur die Bezeichnung: EN ISO 6941. Kann man Stoffe, z.B. Baumwolle, mit einem Spray behandeln, damit sie schwer entflammbar sind?

Objekt: Zelt, temporäre Nutzung

Damit Ihr Stoff einer Brandverhaltensgruppe (RF1 bis RF4) zugeteilt werden kann, muss er eine Prüfung und Klassifizierung nach der Norm SN EN 13501-1 (europäische Klassifizierung) oder nach VKF (Brandkennziffer) aufweisen. Dies müsste der Hersteller deklarieren können.

Wenn es bei einer Fassade RF1 brennt, fallen die Fenstergläser heraus. Ist das zulässig?

Die Situation:

Wir planen bei einem Industriegebäude eine Feuerschutztreppe. Gemäss Brandschutzvorschriften braucht es keinen Abstand zur Fassade, wenn bei der Verglasung und der Fassade Baustoffe RF1 verwendet sind. Bestehend sind ein Sandwich-PIR-Fassadenelement (RF1 eingehalten) und Kunststofffenster. Das Glas sollte RF1 einhalten, der Rahmen RF3. Gemäss Brandschutzvorschriften sind die Fensterrahmen irrelevant, also ist es eine komplett taugliche Fassade in RF1. Brennt es aber, schmilzt der Kunststoffrahmen und die Gläser fallen heraus.

Objekt: Industrie, 11 bis 30 m hoch, im Kanton Bern

Dürfen im ersten Untergeschoss Kellerräume verschiedener Mieter zu einem Brandabschnitt zusammengefasst werden? Müssen Bastel- und Hobbyräume oder die Waschküche einen separaten Brandabschnitt bilden?

Objekt: Mehrfamilienhaus mit Verkaufsgeschäft im Erdgeschoss, 11 bis 30 m hoch, im Kanton Bern

In Mehrfamilienhäusern dürfen Kellerräume, Bastelräume und Waschküche zu einem Brandabschnitt zusammengefasst werden. Dies gilt unabhängig von der Gebäudehöhe.

Regeln die Brandschutzvorschriften, wie hoch eine Schwelle bei einer Wohnungseingangstüre in einem Mehrfamilienhaus sein darf? Wer ist dafür zuständig, dass dies korrekt umgesetzt wird?

In den Brandschutzvorschriften ist dies nicht geregelt. Massgebend sind hier die Regeln der Baukunde. Die maximal erlaubte Höhe von Schwellen finden Sie in der Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten».

Ist im ersten Untergeschoss für zwei Autoeinstellplätze in einem Doppeleinfamilienhaus eine Spüllüftung vorgeschrieben?

Objekt: Doppeleinfamilienhaus, max. 2 Stockwerke, ausserhalb des Kantons Bern

Eine Spüllüftung ist in Ihrem Fall nicht vorgeschrieben, es ist auch keine Rauch- und Wärmeabzugsanlage gefordert. An Brandschutzanlagen bei Einstellräumen im Gebäude gelten dieselben Anforderungen wie an das Gebäude selber.

Wie wird Wiener Geflecht klassifiziert?

Die meisten Bauprodukte mit Klassifizierung, die in der Schweiz vertrieben werden, sind im Brandschutzregister der VKF gelistet. Im Dokument Allgemein anerkannte Bauprodukte der VKF sind die Baustoffe zusammengestellt, die keinen Prüfnachweis erfordern. Ist ein Baustoff in diesen beiden Listen nicht enthalten, muss die Klassifikation beim Hersteller nachgefragt werden. Denn wer ein Bauprodukt in Verkehr bringt, muss das Brandverhalten deklarieren können. Das heisst, der Hersteller muss eine Klassifizierung eines anerkannten Prüflabors vorweisen können.

Der horizontale Fluchtweg einer Werkstatt führt über eine Drehtür ins Freie. Darf der Zugang zur Türe über drei Treppenstufen (total 40 cm) führen, um den Terrainunterschied auszugleichen?

Objekt: Gewerbe und Industrie, 11 bis 30 m hoch, im Kanton Bern

Gemäss den Brandschutzvorschriften sind die Treppenstufen nach Ihrem Beschrieb grundsätzlich möglich. Das Steigungsverhältnis muss nach den Regeln der Technik ausgeführt sein (ca. 63 cm). Dieses ist in der «Fachbroschüre Treppen» des BFU im Abschnitt «Konstruktionsprinzipien und technische Anforderungen» beschrieben.

Wie müssen die Ausgänge einer Tiefgarage (Fläche 700m2) geplant werden? Müssen sie 90 cm breit sein oder muss die Personenbelegung berechnet werden, um die minimale Breite zu bestimmen? Müssen die Türen in Fluchtrichtung öffnen?

Objekt: Tiefgarage, bis 11 m hoch, ausserhalb des Kantons Bern

In einem Parking ist die Personenbelegung nicht massgebend. Anzahl und Ort der Ausgänge werden so festgelegt, dass die erlaubte Länge der Fluchtwege nicht überschritten wird:

Wir planen die Sanierung einer Aula mit einer Belegung von ca. 370 Personen. Dürfen wir als zweiten Fluchtweg eine Terrassentür oder ein Fenster mit tiefer Brüstung nutzen? Müssten diese ebenfalls in Fluchtwegrichtung öffnen oder muss nur der erste Fluchtweg diese Anforderung erfüllen?

Räume mit einer Belegung von mehr als 300 Personen gelten als «Räume mit grosser Personenbelegung». Für diese gilt: Führen die Fluchtwege ebenerdig ins Freie, sind mindestens zwei unabhängige Ausgänge à 1,20 m Breite gefordert. Führen die Fluchtwege über Treppen ins Freie, müssen die Ausgänge in der Summe eine Breite von 3,70 m aufweisen. Dabei muss jeder einzelne Ausgang mindestens 1,20 m breit sein und in dieser Breite ins Freie führen.